Musik, Rhythmus & Bildgestaltung: Was beim Schneiden von Luftbildern wichtig ist (II)

Vor kurzem lief in der ARD „Geheimnisvolle Orte – Die Schorfheide“. Aus diesem Film habe ich hier drei kleine Ausschnitte, die zeigen, wie unterschiedlich man Drohnen-Flüge montieren kann:

1. Ein langer Flug zerlegt in drei verschiedene Einstellungen

Klassische Montage einer Szene, die einen Ort beschreibt. Passt super aneinander, wie ich finde, weil sich die Einstellungsgrößen deutlich voneinander unterscheiden, das Flugtempo aber gleich bleibt.



 2. Toll, dass dieser Flug nicht geschnitten wurde…

…sondern am Stück gezeigt wird. Einzig eine Beschleunigung gegen Ende verkürzt die Echtzeit. Eine 27 Sekunden lange Einstellung und die wird nicht langweilig, oder? Denn: Dass da was geflogen ist, erkennt man erst ab der Hälfte. Und das finde ich spannend.



 3. Klare Beschreibung eines Ortes

Ankunft und Abflug, verwoben in einem Interview.



Boden-Luft-Kombination in der Postproduktion

Noch ein technischer Hinweis für die Postproduktion. Es gibt Parameter, die unter Umständen einen Unterschied zwischen Boden- und Drohnenkamera erkennen lassen. Wenn die nicht exakt das gleiche Modell mit den gleichen Einstellungen benutzen, muss man im Schnit diese Unterschiede ausgleichen. Auch wenn an der Drohne eine HD-Kamera hängt, so wählt man logischerweise ein sehr kleines, leichtes Modell. Das unterscheidet sich von einer großen 50.000-Euro-Kamera in Kontrastumfang oder bei den Kompressionsraten.


Außerdem gibt es bei den meisten Kamerakonstuktionen an Drohnen noch nicht die Möglichkeit, die Schärfe und die Blende zu ziehen. Der Kamera-Operator muss also schon am Boden entscheiden, mit welcher Belichtung und Schärfe oben gedreht werden soll. Das lässt sich nicht immer optimal abschätzen und muss dann in der Postproduktion ausgeglichen werden. Ein gutes Colorgrading und ggf. ein Nachstabilisieren der Aufnahmen helfen, dauern aber. Also: Zeit einplanen!


Problem Ton: Vom Rauschen und Surren der Rotoren

Und: mindestens genauso viel Zeit braucht es, um Flugaufnahmen mit guten Tönen zu versorgen. Denn das erste, was ich nach dem Clip-Import lösche, ist die Tonspur der Drohne. Manchmal lege ich einfach nur ein bisschen Wind drunter und Musik. Aber manchmal brauchen die Flugaufnahmen spezielle Geräusche, weil wir z.B. sehen, wie eine Haustür zuschlägt oder die Kirchenglocke schlägt oder ein Porsche über die Teststrecke rast. Legt Euch ein gutes Sound-Archiv an!

Irgendwann muss man filmisch aber auch mal wieder „landen“, denn alles aus der Luft zu erzählen, kann schnell monoton wirken. Richtig nah dran ist der Copter selten. An Gesichtern zum Beispiel: Die Rotoren würden die Haare zerzausen, mal ganz davon abgesehen, dass man sein eigenes Wort nicht versteht, wenn das „Monster“ direkt vor dem Gesicht schwebt. Die fehlenden Einstellungsgrößen NAH und DETAIL sind ein wichtiger Punkt. Die braucht jeder Film, werden aber dann doch eher von der Kamera geliefert, die am Boden bleibt.

Von Kollegen habe ich jetzt übrigens schon ein paar mal folgenden Satz gehört: „Wie haben wir früher ohne Drohne denn eigentlich Filme gemacht?“
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2 Kommentare zu “Musik, Rhythmus & Bildgestaltung: Was beim Schneiden von Luftbildern wichtig ist (II)

  1. Hallo zusammen,

    Bezogen auf den letzten Satz kann ich sagen, dass ich das genauso sehe. Wenn man genau hinsieht, erkennt man in vielen Dokumentationen und auch in immer mehr Filmen Drohnenaufnahmen. Wie Ausschnitt 02 zeigt muss das ja nicht immer nur für einen kurzen Überblick sein, wobei ich natürlich auch gerne wüsste wieviele Versuche für diese herrliche Drehung + Höhenhaltung über dem Weg nötig waren ;-)
    Wieviele Dateien habt ihr denn im Sound-Archiv? Ich kenne das aus eigener Erfahrung eher mit netter Hintergrundmusik.

  2. Hallo Basti,

    danke für Deinen Kommentar! Der Flug in Ausschnitt 02 hat beim zweiten Mal geklappt. Und was die Tongestaltung betrifft: Oft gibt’s wirklich „nur“ Musik für die Drohnenbilder, aber ich finde es ja auch schön, wenn man zusätzlich noch einen leichten Wind unterlegt oder evtl. auch andere Naturgeräusche: Vogelzwitschern, Wasserplätschern oder Entenschnattern (wenn wir über Wasser fliegen), Motorengeräusche und Stimmen, Großstadtatmo. Je nachdem, was in den Bildern zu sehen ist und was evtl. auch die Tonspuren aus den Clips davor und danach zu bieten haben.

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