Mehr Kopter! Weniger Drohnen!

In diesem Post* wollen wir euch dazu aufrufen, lieber das Wort Kopter oder Kamerakopter anstatt „Drohnen“ zu verwenden. Und wir schreiben unsere Eindrücke von einem Auftritt bei der Veranstaltung Groundbreaking Journalism auf.

Fabian beim Indoor-Flug auf der Veranstaltung "Groundbreaking Journalism"

Fabian beim Indoor-Flug auf der Veranstaltung „Groundbreaking Journalism“ in Berlin. Foto: iRightsLab

*Das ist eine leicht veränderte Version eines Posts, den wir auf dem Blog Mutterschiff der electronic media school Potsdam-Babelsberg veröffentlicht haben.

Das Thema „Kopter-Kommunikation“ steht mittlerweile in vielen Redaktionen auf der „To-Do-Liste“. Das haben Fabian und ich Ende Februaer bei der Veranstaltung Groundbreaking Journalism von irights.lab und dem Vodafone-Institut in Berlin festgestellt: Als Team von Volle Drohnung waren wir zusammen mit Lorenz Matzat eingeladen, um über unsere Kamkopter-Erfahrungen und unsere Ideen zu sprechen. Ausgesuchte Journalisten, Ausbilder und Wissenschaftler von der ARD/ZDF-Medienakademie über Heise Online bis zu ZEIT Online waren gekommen und wollten sich informieren. Sowohl technisch als auch rechtlich und ethisch bilden sich Umgangsformen, Regeln und Standards gerade erst heraus. Genau die richtige Zeit, um diese Entwicklung aktiv zu beeinflussen und mit zu gestalten. Zahlreiche Nachfragen kamen vor allem zum Bereich der rechtlichen Rahmenbedingungen und der journalistischen Möglichkeiten. Hier die Zusammenfassung unseres Inputs, der sich vor allem auf rechtliche, ethische und narrative Möglichkeiten der Copter-Technologie bezieht.

Rechtlicher Status Quo

„Unbemannte Fluggeräte einschließlich ihrer Kontrollstation“ sind seit 2012 in das Luftverkehrsgesetz (§ 1) aufgenommen und zählen damit zu den Luftfahrzeugen, sobald sie nicht nur als Sport oder Hobby betrieben werden. Diese Aufnahme in das Gesetz zeigt, dass der Gesetzgeber sich der wachsenden Bedeutung dieser Flugtechnologie bewusst ist. In weiteren Verordnungen (Luftverkehrsordnung) hat er detaillierter geregelt, wer wo mit welchem Gerät aufsteigen darf. In Kurzform die Übersicht über die wichtigsten Regeln:

  • Für jede nicht rein-hobbymäßigen Flug brauchen Piloten bzw. Journalisten eine Aufstiegsgenehmigung der Luftfahrtbehörde des jeweiligen Bundeslandes.
  • In den meistern Ländern gibt es eine ein- oder zweijährig gültige allgemeine Aufstiegsgenehmigung. Für diese muss man Flugerfahrung, Extrahaftpflichtversicherung und Details zur Ausrüstung angeben. Dies alles gilt nur für Copter, die mit Kamera oder sonstiger Ausrüstung bis zu fünf Kilo wiegen.
  • Für schwerere Fluggeräte wird eine besondere Einzelgenehmigung erteilt. Das leuchtet auch ein, denn ab einem gewissen Gewicht wird der Copter bei einem Absturz auch aus nur zehn Metern Höhe zu einer lebensgefährlichen Bedrohung.
  • Die Genehmigungspraxis in den Bundesländern bei den Coptern bis fünf Kilo ist jedoch unterschiedlich: Im Flächenland Brandenburg ist die Genehmigung einfacher zu bekommen, als im Stadtstaat Berlin, wo es in der Innenstadt nahezu unmöglich ist, mit Drohnen zu fliegen. Das Fliegen in der Nähe (1,5km) von Flugplätzen, militärischen Anlagen oder Regierungsgebäuden ist verboten.
  • Über dem Bundestagsareal, so Lorenz Matzat, sind sowieso Störsender angebracht, die die Steuerung des Copters und die Bildübertragung unmöglich machen.

Was macht die Faszination der fliegenden Bilder aus?

Wer also Quadro- oder Octocopter mit Kameras oder Sensoren bestückt und für einen journalistischen Beitrag in die Luft gehen will, der muss einiges vorher regeln. Immer mehr Redaktionen nehmen dies in Kauf, um an die „fliegenden Bilder“ zu kommen. Woher kommt dieser Drang, diese Faszination eigentlich?

Ich denke es hat viel mit der Möglichkeit zu tun, Grenzen zu überschreiten, die normalerweise für uns Menschen auf der Erde gelten: Seit jeher träumen wir vom Fliegen wie ein Vogel, und das nicht erst seit Otto Lilienthal. Schon in der Antike bastelte Archytas von Trent an einer künstlichen Flugtaube. Letztlich ist der Wunsch, in die Luft zu gehen, auch der Wunsch eines Überblicks, einer Draufsicht, die nach dem französischen Philosophen Paul Virilio sogar einem „göttlichen Blick“ entspricht, dem wir nacheifern.

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Lorenz Matzat, Max Ruppert (mit quadroid-Kopter) und Matthias Spielkamp beim Vortrag. Foto: iRightsLab

Film und Flug entwickelten sich parallel

Historisch interessant ist die Parallele in der Technikentwicklung von Kinematografie und Luftfahrt am Anfang des letzten Jahrhunderts: Die Gebrüder Lumière (1895) und die Gebrüder Wright (1903) erfanden im Zeitraum von acht Jahren die beiden Grundtechniken für bewegte fliegende Bilder – Kinematografie und Motorflug. Schon Stummfilm-Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau (Faust, Nosferatu) träumte damals davon, mit der Linse in die verborgensten Winkel vorzustoßen und die Blicke wie die Gedanken selbst, mal hier und mal dort, hineinschweifen zu lassen. Murnau wird deshalb auch mit dem Begriff der „entfesselten Kamera“ in Verbindung gebracht. Übrigens war er im ersten Weltkrieg Heeresflieger und auch deshalb für die Möglichkeiten von fliegenden Kameras sensibilisiert. Und wenn es noch eines Beweises für den menschlichen Wunsch nach Grenzüberschreitungen in den Luftraum hinaus bedarf, sei noch das weit verbreitete Hobby des Brieftaubenfliegens erwähnt, das von der gemeinsam geteilten Faszination am Überwinden von Grenzen, Distanzen und dem Wunsch nach schneller Informationsübermittlung lebt. Und auch schon Brieftauben wurden zur Luftaufklärung mit kleinen Kameras ausgestattet und als lebende fliegende Kameras eingesetzt. –> In Teil 2 des Beitrags geht es um die Ethik des journalistischen Kopter-Einsatzes

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Ein Kommentar zu “Mehr Kopter! Weniger Drohnen!

  1. Hi, du schneidest hier auf deinen Blog sehr interessante Themen an. Sehr informativ, da ich mich auch seit einiger Zeit mit Copter befassen. Zum einem hab ich einen DJI und zum anderen eine Racedrone. Rechtlich ist es echt der Hammer, da blickt man teilweise gar nicht so durch. Aber das wird schon besser werden ;-)
    Lg Peter

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