Die Ethik des Koptereinsatzes

Die Ethik des Kopterflugs

Die meisten ethischen Fragestellungen des journalistischen Copter-Einsatzes haben mit Grenzüberschreitungen zu tun. Der Kopterpilot bzw. Journalist ist durch die fliegende Kameratechnologie Herrscher über Nähe und Distanz.

Und diese Nähe kann er mit zwei Joysticks ganz leicht herstellen bzw. die Grenzen zu anderen überschreiten: Der Kopterpilot ist in der Lage, Nähe herzustellen, die bedrohlich und unangenehm empfunden werden kann, ohne dem Gefilmten wirklich nahe zu kommen oder gegenüber zu stehen. Dies ist für denjenigen, der angeflogen wird, oft verwirrend und bedrohlich: „Wo kommt jetzt dieses Ding über meinem Kopf her und was will es von mir?“.

Dieses Bedroh(n)ungsgefühl durch die Camcopter sollten Journalisten ernst nehmen und auch daran denken, dass schon durch das Wort Drohne, das einem unweigerlich beim Anblick eines Copters in den Sinn kommt, gleich militärische Assoziationen und Afghanistan, Jemen oder auch das Drohnen-Debakel es Ex-Verteidigungsministers de Maizière auslöst. Wie ist z.B. ein Einsatz eines Quadrokopters über einem Flüchtlingsheim zu beurteilen, in dem Menschen aus Afghanistan oder Syrien leben, die aus ihren Herkunftsländern todbringende Drohnen kennen?

Deshalb sollten Journalisten bei Kopter-Drehs noch umsichtiger sein, als bei normalen Boden-Drehs. Hier fünf Leitsätze:

  • Sorgen Sie für maximale Informationen, klären Sie alle Beteiligten Menschen über den Einsatz und die Verwendung der Bilder aus der Luft auf.
  • Üben Sie sich in Empathie und versetzen Sie sich in die Menschen unter dem Kopter hinein. Besondere Vorsicht ist bei Kindern geboten.
  • Kosten Sie nicht die Macht, die in der Technologie der Grenzüberschreitung steckt, aus und erschrecken Sie keine Menschen mit dem Einsatz des Kopters.
  • Das gilt übrigens auch für Tiere: Erkundigen Sie sich vor einem Überflug einer Tierherde über die möglichen Auswirkungen.
  • Sie dürfen niemals die Unversehrtheit von Menschen aufs Spiel setzen. Auch, wenn die Bilder noch so spektakulär zu werden versprechen.
  • Denken Sie auch immer an langfristige Auswirkungen: Je mehr Vorfälle bzw. Gerichtsverfahren mit Kopterbeteiligung bekannt werden, desto eher wird weiterer gesetzlicher und behördlicher Regelungsbedarf gesehen.

Die Technologie ist für viele immer noch neu und diese Unerfahrenheit führt auch zu Unsicherheit und Angst vor den „fliegenden Robotern“. Diese Angst wird auch durch zahlreiche mediale Veröffentlichungen zum Thema „Drohnen“ befeuert.

So lange Filme wie diese mit einem (Fake-)Maschinengewehr-Kopter auf YouTube zu sehen sind und dieser Film über 20 Millionen Aufrufe verzeichnet, wird auch die gefühlte Bedrohung nicht verschwinden. Dem können Sie nur mit maximaler Offenheit und Aufklärung beim Dreh begegnen. Wir bei Volle Drohnung haben uns nach einer kleinen Diskussion geeinigt, in den Texten auf dem Blog nur noch von Kamkoptern, Multikoptern oder eben Quadro- oder Oktokoptern zu sprechen. Damit, so hoffen wir, vermeiden wir zumindest auf sprachlicher Ebene die Drohnen-Assoziationen mit Krieg, todbringenden Eingriffen oder auch Überwachung.

Als Journalistin/Journalist sollten Sie mitmachen: Ab jetzt weniger Drohne und mehr Kopter!

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Ein Kommentar zu “Die Ethik des Koptereinsatzes

  1. Pingback: Mehr Kopter! Weniger Drohnen! | Volle Drohnung

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