Mit der Drohne über die Flüchtlingsunterkunft?

Für einen Workshop zum Thema „Verantwortungsvolles journalistisches Handeln“ habe ich vor einigen Wochen schon ein kleines Szenario entwickelt, in dem der Einsatz eines Kamerakopters* thematisiert wird. Bis jetzt kam dieses Szenario noch nicht im Kurs zum Einsatz, also ein guter Grund, hier auf Volle Drohnung die Premiere zu starten. So sieht die Aufgabenstellung, die viel mit ethischem Verhalten und verantwortungsvollem journalistischen Handeln zu tun hat: 

Agravis_Drohne N vor Hauptquartier

Szenario 

Sie wollen über die Situation von Flüchtlingen in einem Asylbewerberheim für das regionale öffentlich-rechtliche Informationsformat des dritten Programms am Abend im Fernsehen berichten. Die Redaktion unterstützt Sie und Sie konnten auch mit einigen Flüchtlingen aus Afghanistan und nordafrikanischen Ländern schon Gespräche führen. Allerdings nicht in der Unterkunft. Sie bekommen dort einfach keine Drehgenehmigung. Jetzt soll die Geschichte gesendet werden und Sie haben die Idee, einen Kamerakopter einzusetzen, um doch noch an Bilder des Asylbewerberheims zu kommen. Sie planen einen Überflug über das Gebäude und die Freiflächen, auf denen die Kinder der Familien spielen. Einen Kopterpiloten mit Kamera und entsprechender Aufstiegsgenehmigung haben Sie von der Redaktion vermittelt bekommen.

Alternative

Als Sportreporter wollen Sie einen Quadrokopter bei einem beliebten regionalen Radrennen einsetzen, direkt beim Schlußspurt vor der Haupttribüne. Einen Piloten mit Kamera und entsprechender Aufstiegsgenehmigung haben Sie an der Hand.

Frage

Wie gehen Sie vor? Welche Punkte gilt es bei einem solchen Einsatz zu bedenken?

Tja, was würdet ihr sagen? Über Kommentare und eine kleine Diskussion freuen wir uns sehr. Eine einzige „beste Lösung“ gibt es hier übrigens – wie so oft im Leben – nicht. Also: Nur Mut und her mit den Vorschlägen!

Hier könnt ihr auch das PDF Drohneneinsatz herunterladen.

*Ich verwende ab jetzt lieber die Begriffe Kamkopter/Camcopter oder Quadro-/Oktokopter. Die Verwendung des Wortes „Drohne“ trägt immer die negative Konnotation mit der unbemannten militärischen Aufklärungs- und Vernichtungswafffe mit sich. Wissenschaftlich nennt man das auch Indexikalität der Sprache, wie ich gerade gelernt habe.

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8 Kommentare zu “Mit der Drohne über die Flüchtlingsunterkunft?

  1. Drohne ist natürlich der falsche Begriff, ich frage mich auch wie es eigentlich zu dieser Begrifflichkeit kommen konnte, denn es sind ja Quad-, Hexa-, Okto- , Multi- und was auch immer für KOPTER , im behördlichen Sinne heißen diese Dinger dann UAV`s…. aber etabliert, vorallem bei denen die mit den Koptern nichts zu tun haben ist der Begriff Drohne. Und damit genau diese „Unwissenden“ wissen wovon ich rede, rede ich dann auch von Drohne…. dann starte ich meinen Kopter und gut ist ;-)

  2. @max, zu Deiner Fragestellung: wenn ich diesen Job umsetzen sollte und wie Du geschrieben hast die entsprechende Aufstiegsgenehmigung vorhanden ist, kann es eigentlich gleich losgehen, das wichtigste worauf zu achten ist: NICHT ÜBER MENSCHEN FLIEGEN
    das heißt ein Überflug über das Flüchtlingsheim werde ich wohl nicht machen, aber das muß auch nicht sein, denn in z.B. 20m Höhe hat man ein super Überblick auf das ganze Gelände.

    • @fabian Dieser erste Impuls ist verständlich. Aber ich würde ihn nochmal zurückstellen und ein bisschen Bedenkenträger spielen: Der Hinweis auf Flüchtlinge aus Afghanistan und Irak kann auch zu dem Gedanken führen, dass da Menschen leben, die in ihrer alten Heimat die todbringenden Drohnen aus eigener Erfahrung kennen. Die Konfrontation mit einem unbemannten Flugobjekt über ihnen kann unter Umständen in einigen Fällen zu schlechten Erinnerungen, Angst oder sogar zu einer Re-Traumatisieurung führen. Deshalb wäre mein Ansatz, bevor ich hier den Überflug starte: Aufklärung bis auch der letzte am Drehort weiß, was Du vorhast, für wen Du drehst und was für ein Kopter (mit Kamera, ungefährlich) das ist. Wir wissen doch selber, dass durchaus ein Bedrohungsgefühl mit den lauten, windaufwirbelnden Maschinen verbunden sein kann, die auch noch „Drohne“ genannt werden, genauso wie die Predators der US-Army. Und außerdem gibt es auch medial verbreitete Bilder wie diese http://bit.ly/NxT6jo.

  3. Pingback: Ready for take-off | Mutterschiff

  4. Pingback: Die Ethik des Koptereinsatzes | Volle Drohnung

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